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Südtirol Marketing Gesellschaft/Landesregierung: Neuer Deal mit Zoffel Agentur

Die Rolle der Südtirol Marketing Gesellschaft im Zusammenhang mit den gegen den Leiter der deutschen Werbeagentur Zoffel laufenden Ermittlungen der hessischen Staatsanwaltschaft hinterfragt der Landtagsabgeordnete der Union für Südtirol, Andreas Pöder. Gleichzeitig vermutet Pöder, dass auch die jüngsten Ermittlungen der Finanzwache - gegen die Landeshauptmann Luis Durnwalder wortgewaltig öffentlich protestiert hat – unter anderem im Zusammenhang mit diesen Ermittlungen stehen.
In die Ermittlungen in Wiesbaden ist ein in Südtirol bestens bekannter und häufig von der öffentlichen Hand und der SMG beauftragter Werbemanager verwickelt: Rainhard Zoffel.
Zoffel und sein früherer Geschäftspartner Volker Hoff haben jahrelang als Medien- und Werbeagentur für die SVP gearbeitet und dann in Südtirol in der Folge immer wieder lukrative Aufträge vom Land, von der Sparkasse und insbesondere von der SMG erhalten. So habt die Zoffel-Agentur unter anderem im Rahmen der externen Berateraufträge des Landes 38 Aufträge im Umfang von 268.000 Euro erhalten.
Zoffel und Hoff stand in Geschäftsbeziehungen mit der Firma Aegis Media.
Der Handel mit Fernseh-Werbezeiten, den die Firma Aegis Media betreibt, war nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft für drei ehemalige Mitarbeiter besonders lukrativ: Über Tarnfirmen und Scheinrechnungen sollen sie Millionenbeträge in die eigene Tasche gewirtschaftet haben – die Staatsanwaltschaft Wiesbaden geht mittlerweile von 52 Millionen Euro veruntreuten Geldern aus.
Dabei soll es um einen Handel mit so genannten Freispots im Fernsehen gehen, also kostenlosen Fernsehspots die im Zuge von größeren bezahlten Aufträgen von Fernsehsendern Medienagenturen sozusagen als Provision oder „Preisnachlass“ überlassen werden. Auch der Handel mit Zeitungs-Anzeigen soll dabei eine Rolle gespielt haben.
Beim Handel mit den freien Fernsehwerbezeiten sollen Mitarbeiter der Firma Media Aegis rund 52 Mio. Euro über Tarnfirmen in die eigene Tasche gewirtschaftet haben. Gegen Reinhard Zoffel von der mittlerweile zur Zoffel Steiger Gruppe umbenannten Agentur wird laut Informationen aus Deutschland und laut Medienmeldungen wegen Beihilfe zur Untreue ermittelt.
Der heutige Hessische CDU-Europaminister Volker Hoff und Rainhard Zoffel leiteten bis 2006 die Werbeagentur "Zoffel Hoff Partner" (ZHP). Nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft sollte ZHP als "eine Art Durchlaufstation für Geldflüsse" der Werbeagentur Aegis Media gedient haben. Hauptbeschuldigter ist Andreas Ruzicka, einer der früheren Chefs des Werbeunternehmens Aegis Media. Er sitzt seit Oktober in Untersuchungshaft. Ruzicka ist übrigens begeisterter Jäger, in Deutschland sagt man ihm nach, er genieße in Südtirol Jagdprivilegien.
Vor über einem Jahr tauchten die Namen Zoffel und Hoff bei den Ermittlungen, die schon seit geraumer Zeit laufen auf. Mittlerweile hat die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren gegen Zoffel eingeleitet.

Das Unternehmen Aegis - das pro Jahr ein Werbevolumen von 1,6 Milliarden Euro hat kauft im großen Stil Werbezeiten etwa bei privaten Fernsehsendern ein, mit dem Risiko auf einem Teil der Zeiten sitzen zu bleiben. Dieses Risiko honorieren die Sender mit großzügigen Rabatten, die Aegis zum Teil an seine Kunden weiter gibt. Die Agentur von Zoffel Hoff und Partner war eine der Aegis-Kunden, das Volumen lag angeblich bei bis zu acht Millionen Euro pro Jahr. Dem Anonymus ist das nicht entgangen. Es wird vermutet, dass die Aegis-Tochter Carat allein im Jahr 2004 Werbefreizeiten im Wert von zwei Millionen Euro an die Werbeagentur gegeben. Allein die Weitergabe rabattierter Werbezeiten von Aegis/Carat an Zoffel und Hoff wäre nichts Unrechtes gewesen. Bedenklich wäre dies erst, wenn die von Aegis mit Werbefreizeiten bedachte Agentur Gewinne machte mit den Rabatten. Für Südtirol relevant ist, ob Südtiroler Stellen bewusst oder unbewusst bei einem solchen Handel eine Rolle spielten.

Auch der hessische Landtag befasst sich mit der Thematik, die dortige Opposition will unter anderem in einem Berichtsantrag wissen: „Liegen der Landesregierung oder der Staatsanwaltschaft Erkenntnisse darüber vor, dass die Agentur Aegis-Media der Agentur Zoffel-Hoff-Partner eine erhebliche Zahl von Freispots im Fernsehen zur Vermarktung zur Verfügung gestellt habe, deren Erlöse nicht an die Aegis- Media gingen, sondern bei der Agentur Zoffel-Hoff-Partner verblieben sind?
8. Wenn dies zutreffend ist, seit wann und in welchem Umfang ist der Landesregierung oder der Staatsanwaltschaft bekannt, welche Erlöse aus der Vermarktung der Freispots der Agentur Aegis-Media erzielt wurden und wie sich der Verbleib dieser Einnahmen bei der Agentur Zoffel-Hoff-Partner erklärt?
9. Liegen der Landesregierung oder der Staatsanwaltschaft Erkenntnisse darüber vor, dass Staatsminister Hoff als ehemaliger Geschäftsführer und Gesellschafter Kenntnis von diesen Vermarktungen von Freispots der Agentur Aegis-Media und der Vereinnahmung entsprechender Verkaufserlöse durch die Agentur Zoffel-Hoff-Partner hatte?“
Laut unbestätigten Informationen aus Deutschland soll auch die Werbetätigkeit in bzw. aus Südtirol eine Rolle bei den Ermittlungen spielen.

Interessant ist laut Pöder in diesem Zusammenhang die Tatsache, dass die Südtirol Marketing Gesellschaft wiederholt über Zoffel im deutschen Fernsehen Werbungen geschaltet hat. Die erfolglosen Internetportale bestof-suedtirol.com waren eines dieser Projekte.
Die SMG hat immer wieder mit der „günstigen“ Werbemöglichkeit in Deutschland „geprahlt.“
Um die potenziellen Südtirol-Urlauber auf ihre Homepage zu locken,
kaufte die Bestof AG für zwei Jahre Werbezeiten bei deutschen
Privatsendern an. 10 Prozent davon zahlte die SMG – das waren im Jahhr 2004 rund 390.000 Euro und 2005 200.000 Euro.
Das Projekt ist gescheitert. Damals argumentierte sogar SMG-Chef Engl, dass die Verbindung TV und Internet nicht klappte. Wer die restliche Summe bezahlte ist unklar. Niemand konnte bisher darüber Aufklärung geben. Ob es sich dabei um Freispots handelt, die über Südtirol verkauft wurden und für welches die SMG Steuergelder bezahlt hat ist unklar – darüber werden Ermittlungen angestellt.
Pöder: „Die Frage ist, ob über Südtirol die Freispot-Fernsehwerbezeiten versilbert wurden. Und die Frage ist, woher die Gelder für die restlichen 90 Prozent stammen und ob es diese Gelder überhaupt gegeben hat.“

Mittlerweile hat man mit der Zoffel Steiger Gruppe wiederum ein solches Projekt gestartet (wie teuer?): www.mein-berg.de – mit Fernsehwerbung im deutschen Fernsehen.

Pöder kritisiert, dass diese Projekte einen fragwürdigen oder mehr als dürftigen Erfolg haben.
Werbespots im deutschen Fernsehen könnte die SMG auch auf direktem Wege buchen oder dafür noch mit viel Geld irgendwelche Internetportale - die von der bestofmyworld ag oder von zoffel organisiert werden – zu finanzieren.

Die SMG hat ein Eigenleben entwickelt, das so nicht mehr zu vertreten ist. Zuviel Geld geht dabei für zweifelhafte Projekte außer Landes.
Pöder: „Es muss geklärt werden, welche Rolle die SMG bei dem Freispot-Deal gespielt hat, der in Wiesbaden eine ganze Sonderkommission der Staatsanwaltschaft seit Monaten beschäftigt.“


Pöder verlangt ein Gesundschrumpfen der SMG. Mit 40 Mitarbeitern (Direktion, Abteilung Unternehmenskommunikation, Abteilung Destinationsmanagement, Abteilung Marktmanagement, Abteilung Strategisches Marketing und interne Organisation, Projektmitarbeiter), 7 Verwaltungsräten, 3 Aufsichtsräten und 7 Marketingbeiräten ist die SMG für Südtiroler Verhältnisse zu groß.
Die Bayern Tourismus Marketing hat 23 Mitarbeiter – Bayern hat 12,5 Millionen Einwohner – Südtirol gerade mal 478.000.

Pöder wird die gesamte Thematik im Zusammenhang mit den Freispots und den Ermittlungen in Deutschland auch im Südtiroler Landtag aufs Tapet bringen.


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